Für eine sozialverträgliche und demokratische Energiewende - Mieterstrom in Wohnungsbaugenossenschaften
| Projektbezeichnung: | Für eine sozialverträgliche und demokratische Energiewende - Mieterstrom in Wohnungsbaugenossenschaften |
| Firma/ Institution: |
WBG-Mieterstrompartner (Aurelio Venture GmbH)
Wohnungsbau-Genossenschaft Treptow Nord eG |
| Kategorie: | Kategorie A |
| Jahr: | 2026 |
| Bezirk: | Treptow-Köpenick |
Das Projekt im Überblick
Die Wohnungsbau-Genossenschaft „Treptow Nord“ eG setzt in ihrem Berliner Wohnungsbestand im Dachpachtmodell eines der ambitioniertesten Mieterstromprojekte Deutschlands um. Gemeinsam mit der WBG-Mieterstrompartner als Konzeptentwickler und Umsetzungsbegleiter werden auf den Dächern von 89 Wirtschaftseinheiten Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von über 5 MWp installiert. 165 Einzelprojekte mit insgesamt 11.802 Solarmodulen ermöglichen 3.149 Wohneinheiten den Zugang zu lokal erzeugtem, günstigem Solarstrom – direkt vom eigenen Dach.
Umsetzungspartner für das Mieterstromkonzept ist die Firma metergrid GmbH. Das Projekt ist Teil des größten virtuellen Summenzähler-Mieterstrommodells in Deutschland und ein konkreter Beitrag zum Masterplan Solarcity Berlin.
Klimaschutzwirkung und CO₂-Minderung
Die Anlagen erzeugen jährlich rund 5,09 GWh erneuerbaren Strom und vermeiden damit ca. 1.847 Tonnen CO₂ pro Jahr (Basis: 0,363 kg CO₂/kWh, Bundesumweltamt 2024). Diese Einsparung entspricht etwa 14,2 Millionen Kilometern Autofahrt – rund 354 Erdumrundungen.
Die dezentrale Stromerzeugung direkt am Verbrauchsort minimiert Netzverluste und substituiert fossile Energieträger. Vor dem Hintergrund der geplanten Einbeziehung des Gebäudesektors in den CO₂-Handel ab 2027 stärkt das Projekt zudem die Resilienz der Genossenschaft gegenüber regulatorischen und finanziellen Risiken.
Sozialverträglichkeit und Bezahlbarkeit
Das Projekt verbindet Klimaschutz konsequent mit sozialer Verantwortung. Der Mieterstromtarif liegt dauerhaft unter dem Marktniveau: PV-Arbeitspreis 27,80 Ct/kWh gegenüber 44,93 Ct/kWh beim Grundversorger Vattenfall (–38 %). Die Grundgebühr ist um 26 % reduziert (8,80 € statt 11,97 €/Monat). Bei einem Jahresverbrauch von 2.500 kWh spart ein Haushalt durchschnittlich 380 Euro jährlich.
Das Gesamteinsparpotenzial für alle 3.149 Wohneinheiten beträgt rund 982.000 Euro pro Jahr. Langfristige Dachnutzungsverträge garantieren die Tarifdeckelung. Die Teilnahme ist freiwillig, die freie Stromanbieterwahl bleibt erhalten. Gerade für Haushalte mit geringem oder mittlerem Einkommen ist dies ein erheblicher sozialer Mehrwert.
Innovation und Vorbildcharakter
Das Projekt zeichnet sich durch einen intelligenten Mix aus technischer Innovation und sozialem Nutzen aus. Kern ist das innovative virtuelle Summenzählermodell mit intelligenten Messsystemen (iMSys), die den Verbrauch im 15-Minuten-Takt erfassen. Auf dieser fundierten Datenbasis wird ein halbjährlicher Klima- und Sozialbericht erstellt, der die Auswirkungen der Mieterstromprojekte auf die ESG-Bemühungen der Wohnungsbau-Genossenschaft „Treptow Nord“ eG analysiert, interpretiert und einordnet.
Die Umsetzung im Dachpachtmodell ermöglicht der Genossenschaft und ihren Mitgliedern von den Vorteilen der Mieterstromprojekte zu profitieren, ohne ein eigenes Investitionsrisiko einzugehen – die Verantwortung für Finanzierung, Bau und Betrieb liegen bei externen Betreibern.
Da ein großer Teil des Bestands mit Photovoltaik ausgestattet wird - nicht nur dort, wo es gesetzlich gefordert wäre - geht das Vorhaben weit über gesetzliche Anforderungen hinaus und belegt, dass großflächiger Mieterstrom auch im Bestandsbau wirtschaftlich und sozialverträglich umsetzbar ist. Als Pioniervorhaben dient es als Vorbild für Wohnungsbaugenossenschaften und Wohnungsunternehmen in Berlin und bundesweit.
Ganzheitlicher Ansatz – Klimaschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Das Projekt verknüpft ökologische, ökonomische und soziale Ziele: Dekarbonisierung des Gebäudebestandes, Senkung der Wohnnebenkosten, Stärkung genossenschaftlicher Teilhabe, ESG-konformes Reporting und aktiver Beitrag zur Berliner Solarstrategie. Die Energiewende wird hier nicht abstrakt, sondern direkt erfahrbar – auf dem eigenen Dach, in der eigenen Steckdose.
Mieterstrom wird als integraler Bestandteil einer nachhaltigen, sozialverantwortlichen Bewirtschaftung verstanden. Das Projekt zeigt exemplarisch, dass Klimaschutz bezahlbar, gerecht und im Wohnalltag verankert sein kann.