Reallabor Integrierte Wasser- und Wärmerückgewinnung im Quartier (IWIQ)

Preisträger in der Kategorie A

Projektbezeichnung: Reallabor Integrierte Wasser- und Wärmerückgewinnung im Quartier (IWIQ)
Firma/ Institution: Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH
Kategorie: Kategorie A
Jahr: 2026
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg

Das Reallabor IWIQ ist ein von SenWEB gefördertes Forschungsprojekt und erprobt gemeinsam mit weiteren Berliner Partnerunternehmen und der TU Berlin, wie sich urbane Wasserkreisläufe entlasten und gleichzeitig energetisch nutzen lassen. Unter realen Bedingungen wird erprobt, wie Grauwasserrecycling (GWR) gemeinsam mit Wärmerückgewinnung (WRG) in Bestandsgebäuden umgesetzt werden kann.

Über einen gebäude- und quartiersbasierten Ansatz soll leicht verschmutztes Grauwasser aus Haushalten (Bad + Küche + Waschmaschine) vor Ort zu einem hochwertigen Betriebswasser aufbereitet werden, um mit der anschließenden Nutzung als Toilettenspülwasser den Trinkwassereinsatz um ca. 30 % zu reduzieren und somit einer Überbeanspruchung natürlicher Ressourcen entgegenzuwirken. Durch die Erschließung weiterer Nutzungsoptionen des Betriebswassers (Waschmaschine, Bewässerung auf Quartiersflächen, Versickerung, Gebäudekühlung) soll das theoretische Trinkwassersubstitutionspotenzial auf ca. 60 % gesteigert werden.

Um auch einen Beitrag zur Energie- und Wärmewende zu leisten, wird das dezentrale Wassermanagement innovativ mit einer Wärmerückgewinnung aus Grauwasser gekoppelt  und kann in die kommunale Wärmeplanung integriert werden. Durch den Einsatz von Wärmetauschern bzw. einer Wärmepumpe können zwischen 30 % und 60 % des Wärmebedarfs für die Warmwasserbereitung eingespart werden. Auch die Einspeisung in ein Nahwärmenetz ist denkbar.

Das Prinzip des lokalen GWR ist bereits an mehreren Standorten in Berlin umgesetzt. Bisher handelt es sich dabei ausschließlich um Neubauten, bei denen der Einbau eines zweiten Leitungsnetzes für Betriebswasser in der Planungsphase mitberücksichtigt wurde. Für den weit größeren Anteil der Bestandsgebäude bzw. für eine integrierte Quartierslösung fehlen jedoch bislang Erfahrungen und Konzepte zur Umrüstung, wodurch die Skalierung des Konzepts deutlich erschwert wird. Das Reallabor IWIQ wird hier den erhöhten Planungsaufwand für Bestandsgebäude sowie die Unsicherheiten eines solchen Pilotprojekts für alle Beteiligten durchführen. Die im Verbund des Reallabors IWIQ beteiligten großen Berliner Wohnungsbaugesellschaften setzen innerhalb der Projektlaufzeit exemplarisch konkrete Vorhaben zum GRW+WRG in ihren Gebäuden um, dabei wird gezielt das Gelegenheitsfenster anstehender energetischer Sanierungen im Gebäudebestand genutzt.

Die bereits 2006 in Berlin Kreuzberg installierte GWR-Anlage „Block 6“ dient innerhalb des Reallabors als Experimentalplattform für die Erprobung neuer verfahrenstechnischer Optionen zur Erweiterung des Nutzungsspektrum des Betriebswassers und datengetriebener Optimierungsstrategien. Zudem ist „Block 6“ der physische Anker eines hybriden Lernortes. Das Reallabor bietet somit eine Plattform um aktuelle regulatorische Anforderungen zur Wasserwiederverwendung direkt in der Anlagentechnik zu erproben, da sowohl die durch die EU Verordnung zur Wasserwiederverwendung (COM 2020/741) notwendigen Änderungen des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) als auch des technischen Merkblatts DWA 1200 erst in Kraft treten werden.

Durch eine Standardisierung und Modularisierung der im Reallabor entwickelten Lösungen wird eine hohe Replizierbarkeit ermöglicht, sodass unser Konzept auf zahlreiche weitere baugleiche Bestandsgebäude in Berlin und Umgebung übertragbar ist. Berlin nimmt damit eine bundesweite Vorreiterrolle ein, die zweifellos auch international Beachtung finden wird.

Im Projekt werden gesamtgesellschaftliche Herausforderungen im Bereich Wasser, Energie und Klimaschutz durch Koppelung der Sektoren Wasser, Energie und Wohnen als zentrale Aspekte der Daseinsvorsorge angesprochen. GWR+WRG auf Quartiersebene bieten ein dezentrales System, das knappe Ressourcen wie Wasser und Wärme vor Ort weiter nutzbar macht.

Das Reallabor IWIQ wird vom KWB koordiniert und gemeinsam mit der Nolde – innovative Wasserkonzepte GmbH, der Technischen Universität Berlin, der Contecht GmbH, der inter 3 GmbH – Institut für Ressourcenmanagement, der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH, der Magda GmbH, der Ersten Wohnungsgenossenschaft Berlin-Pankow eG sowie dem Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH umgesetzt.

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